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Sehenswürdigkeiten, Historisches
Das Alte Haus
 

Das Alte Haus ist in seinem Kern ein spätgotischer Bau. Es diente bis zur Errichtung der Villa Auheim (1877) als Herrenhaus der Hammerherren am Oberen Hammer. Im hinteren Gebäudeteil des in den letzten Jahren restaurierten Gebäudes ist eine spätgotische Türeinfassung erhalten geblieben. Die Bezeichnung "Altes Haus" ist erst im späten 19. Jahrhundert aufgekommen, vorher wurde es nach der Gewerkenfamilie Pleyberger, die hier seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ansässig war, als "Pleyberger Haus" bezeichnet.

Barbara Theresia Pleyberger hat nach dem Tod ihres Mannes seit 1764 durch fast zehn Jahre ihre Werke allein geführt. Sie hinterließ 1773 im Pleybergerhaus ein ansehnliches Vermögen und einen gut ausgestatteten Haushalt, in dem offenbar aber nur wenig Luxusgüter vorhanden waren. Damals gab es im breitgelagerten dreigeschossigen Bau ein "Neues Stübl", einen "Flaschenkeller", ein "Kapuzinerstübl", ein "Inneres Zimmer", eine "Gastkammer" (unbeheiztes Gästezimmer) und einen über die Längsachse des Hauses laufenden Saal mit seitlichen Türen zu den Zimmern. Außerdem verfügte das Haus über eine "Leutkammer" (Dienstbotenzimmer), ein "Studentenstübl", ein Vorhaus und ein Speisezimmer. 
Um das Gebäude kümmert sich heute der Verein "Kultur Erleben". In diesem Haus haben die "Schachensteiner Landsknechte" ihren Sitz. Es wurde auch eine Schauschmiede und eine historisch ausgestattete Rauchkuchl eingerichtet.

Die Barbarakapelle

Peter Pögel ließ die südwestlich an den bergseitigen Teil des Schlosses Thörl anschließende Barbarakapelle errichten. Sie war spätestens 1469 fertig, wie sich aus einem in Rom für diese Kapelle ausgestellten Ablassbrief ergibt. Die Schlosskapelle war eine private Kapelle der Besitzer, geweiht der hl. Barbara als Patronin der Artillerie.
Die Kapelle war bereits im 16. Jahrhundert eine Filialkirche von St. Peter in Aflenz und Ziel einiger von dort ausgehender Wallfahrten.

Mit dem Erlöschen der Pögel im Mannesstamm begann 1575 der Verfall der Schlosskapelle, die in der Folge jahrzehntelang nicht benützt wurde. Erst Georg von Klingendraht, Bürgermeister in Graz und Gewerke am Thörl, setzte 1635 die Barbarakapelle aus Dankbarkeit für die Errettung aus höchster Gefahr wieder instand. 
Franz Gasteiger, wohlhabender und tüchtiger Gewerke, ließ um 1740 die alte Kapelle abbrechen und von Grund auf neu errichten. Der freistehende Altar und die beiden geschwungenen Emporen stammen aus dieser Zeit. 1776 schuf der Hofmaler Josef von Mölck im Auftrag des Gewerken Josef Karl Gasteiger von Lorberau den gesamten Freskenschmuck, auch alle Bilder in der Kapelle sind sein Werk. Die Deckenmedaillons stellen Glaube, Liebe und Hoffnung dar. Der Auftraggeber starb 1776, während der Künstler noch mit dem Freskenschmuck der Kapelle beschäftigt war. Er nahm dieses Ereignis in seine Malerei auf und stellte den Verstorbenen hoch oben unter der Decke mit einem intensiv zum Himmel gewandten Blick dar. 

Die Burg Schachenstein

Die letzte in der Steiermark errichtete Höhenburg erhebt sich auf einem schroffen Felsen auf dem Südabhang des Schöckel in Thörl. Abt Johann Schachner von St. Lambrecht ließ diesen 1471 vollendeten Wehrbau errichten. Die nach ihrem Erbauer benannte Burg sollte zusätzlich zur wehrhaften Toranlage am Thörl den Zugang vom Einödgraben in das für Stift St. Lambrecht wirtschaftlich bedeutende Aflenztal sichern.

Abt Schachner benutzte sie als Sommerresidenz, wie zahlreiche von ihm auf Schachenstein ausgestellte Urkunden nachweisen. Er starb hier am 22. Juni 1478. 
Mit der Burg Schachenstein wurde unter optimaler Ausnutzung des natürlichen Geländes ein gut durchdachtes Verteidigungswerk errichtet. Der Zugang erfolgte über den Osthang, der Weg war klug angelegt und gut gesichert. Ein Angreifer musste die Breitseite der Vorburg passieren, um das auf der Westseite gelegene, durch einen Abschnittsgraben gesicherte Tor zu erreichen. Der Felsabsturz auf der Südseite der Burg war uneinnehmbar, die steilen Seitenhänge ließen einen Sturmangriff aussichtslos erscheinen. Die Schlüsselscharten sind in der für das späte 15. Jahrhundert typischen runden Form ausgeführt. 
Die Burg wurde im Auftrag des Stiftes von Pflegern verwaltet. Sie mussten sie entweder persönlich oder durch ihre Diener besetzt halten. 1514 übernahm der große Gewerke Sebold I. von Pögel diese Aufgabe auf Lebenszeit. In den nachfolgenden Jahrzehnten verlor Schachenstein an Bedeutung, die ausgedehnte Anlage wurde für das Stift zur finanziellen Last. Spätestens im 17. Jahrhundert wurden die Dächer nicht mehr erhalten, die stolze Burg dem Verfall preisgegeben, wie der Stich von G. M. Vischer aus dem Jahr 1681 deutlich erkennen lässt. 
In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts führten Mitglieder des Kameradschaftsvereines Thörl an der Burg Sicherungsarbeiten aus, um den weiteren Verfall hintanzuhalten. Im reizvollen Ambiente fand so manches Burgfest statt. Die Schachensteiner Landsknechte nehmen in ihren Aktivitäten heute auf diese historische Zeit Bezug.

Die Thörler Hammerwerke

Drei "Eisenglieder" prägten über viele Jahrhunderte das gesamte steirische Eisenwesen: Radmeister, Verleger und Hammermeister. Die Radmeister besaßen die Bergwerke und erzeugten in ihren Radwerken das Eisen. Die Verleger sorgten für den Vertrieb und die Belieferung der Hammerwerke mit Eisen. Die Hammermeister besaßen die Hammerwerke, in denen die Hammerschmiede das Eisen zu Endprodukten verarbeiteten.

Im Gegensatz zu diesem der landesfürstlichen Kammer entsprechenden Organisationsmodell stand das Waldeisen, das von kleineren, nicht zu Kammergut gehörenden Eisenwerken erzeugt wurde. Stift St. Lambrecht hatte bereits bei der Gründung 1103 das Recht der Salz- und Erzgewinnung auf seinen Gütern erhalten. Dieses Recht bildete die Grundlage für die Entwicklung der Eisenerzeugung auf den Stiftsgründen im Aflenztal und damit auch für die Entwicklung der Eisenverarbeitung im Thörlgraben. Das Stift unterhielt zur Verarbeitung seines Eisens insgesamt vier Hammerwerke, von denen zwei im Aflenztal standen. Es geriet wegen seiner Eisenerzeugung immer wieder in Gegensatz zur landesfürstlichen Eisenwirtschaft, war für diese oft eine unliebsame Konkurrenz. Je nach Wirtschaftspolitik des Landesfürsten wurde es teils stark behindert, unter Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. aber auch gefördert.


Die Pögel
Spätestens seit 1469 wurden in Thörl Waffen erzeugt. Damals erhielt Peter I. Pögel den kaiserlichen Auftrag, Handfeuerwaffen und Munition zu liefern. Er ist für das Jahr 1467 als Bürger des Marktes Aflenz bezeugt, für dessen Pfarrkirche er den prachtvollen Chorzubau stiftete. Sein Sohn Sebold I. von Pögel übernahm um 1490 die Betriebe am Thörl. Er baute seine Waffenschmiede vom Handwerksbetrieb zum fabrikmäßig arbeitenden Großbetrieb aus. Schon vor dem Ausbau seiner Betriebe in Thörl zur bedeutendsten Erzeugungsstätte für geschmiedete Büchsen hatte Sebold I. von Pögel im kaiserlichen Auftrag Handfeuerwaffen und eine große Anzahl von Kugeln hergestellt. Vor dem ersten Großauftrag ließ Kaiser Maximilian I. durch seinen obersten Hauszeugmeister die Werke am Thörl überprüfen. An geschmiedeten Geschützen, deren Kaliber einheitlich sein musste, lieferte Thörl Kammerschlangen, ganze Schlangen und Haubitzen. Kaiser Maximilian besuchte 1506 Thörl, wohl um die Büchsenschmiede zu sehen. Sebold I. von Pögel wurde vom Kaiser für seine Verdienste in den Ritterstand erhoben und wurde mit zahlreichen einträglichen Ämtern betraut. 
Sein Sohn Sebold II. von Pögel baute seinen Einfluss im steirischen Eisenwesen zielstrebig aus und erwarb zahlreiche Besitzungen, darunter die Herrschaft Reifenstein bei Pöls. Er heiratete Cordula, die Tochter Georgs von Herberstein, wurde von Kaiser Ferdinand I. in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben und stand um 1537 auf der Höhe von Macht und Reichtum. Trotz des Rückganges in der Geschützerzeugung florierten seine Werke. Er kaufte schließlich drei Radwerke in Vordernberg und wollte damit an allen drei Stufen des Eisenwesens teilnehmen. Allerdings stand er damit in schroffen Gegensatz zu den Bestimmungen der landesfürstlichen Kammergutsordnung und wurde heftig angefeindet. 1539 schließlich erfolgte auf kaiserlichen Befehl die Zerschlagung von Pögels Vormachtstellung im steirischen Eisenwesen. Sebold II. Freiherr von Pögel starb ein Jahr nach dieser bittern Niederlage, noch keine 50 Jahre alt. Eine glanzvolle Zeit der Hammerherren am Thörl neigte sich ihrem Ende zu. Mit Adam, dem jüngsten Sohn Sebolds II., erlosch das Geschlecht der Pögel Freiherrn von Reifenstein und Arberg 1575 im Mannesstamm.


Der Obere Hammer
Die beiden bedeutenden Werke, der Obere und der Untere Hammer am Thörl, wurden in den nachfolgenden Jahrzehnten von unterschiedlichen Gewerkenfamilien geführt. Die Gewerken, die den steirischen Eisenadel bildeten, hatten einen ausgesprochenen Sinn für die Tradition ihres Standes. So manche Eheschließung innerhalb des Gewerkenstandes hatte weitreichende Folgen für die weitere Entwicklung der Hämmer am Thörl. Gerade unter den Gewerken, die nur wenig Vermögen in die Ehe mitbrachten, befanden sich einige besonders tüchtige Männer, die mit viel Geschick ihre Betriebe leiteten und zu neuer Blüte führten. Auch so manche Witwe eines Gewerken erwies sich als höchst tüchtig und führte die Werke erfolgreich weiter. 
Auf dem Oberen Hammer wirkten um 1630 Andrä Feuchter, dem Jörg von Klingendraht nachfolgte. Er war als Eisenhändler Grazer Bürger und einige Jahre als Bürgermeister der Landeshauptstadt tätig. Er verkaufte 1635 an Tiburz und Cristina Köberl, denen Simon Hauber nachfolgte. Dieser übergab den Hammer 1679 seinem Schwiegersohn Andre Zeyringer, der schon 1690 verstarb. Die Witwe Rosina heiratete 1691 den jungen Gesellen Lorenz Wedl aus dem Markt Aflenz, dem der gesamte Verlass mit der Auflage eingehändigt wurde, ihn seiner Stieftochter nach erlangter Großjährigkeit zu übergeben. Die Übergabe erfolgte erst 1716 an Johann Ferdinand Fürst, der seit 1719 mit Barbara Wedl verheiratet war. Ihre Nachkommen sollten durch weitere fünf Generationen als Gewerken in Thörl tätig sein. 
Johann Ferdinand Fürst starb 1747, seine noch unmündigen Söhne konnten die Führung des Werkes nicht übernehmen. Die Witwe Barbara heiratete in zweiter Ehe Josef Anton Pleyberger, dessen Vater den Kruckenhammer am Seebach betrieb. Nach dem Tod ihres zweiten Ehemannes führte Barbara für mehrere Jahre das Hammerwerk allein. Sie hatte schon 1756 von ihrem Schwiegervater den Kruckenhammer übernommen und war offenbar eine sehr tüchtige Frau, die mit der Führung eines Hammerwerkes bestens vertraut war. Sie hat den Oberen Hammer wirtschaftlich wieder in die Höhe gebracht. 1773 übergab sie die Führung des Werkes an ihren Sohn aus erster Ehe, Franz de Paula Fürst. Er hatte sich, obwohl er schon im fortgeschrittenen Alter stand, erst kurz vor der Besitzübernahme mit der damals 25jährigen Elisabeth Kayser vermählt, einer Tochter des Franz Kayser, dem das Hammerwerk in der Au gehörte. 
Franz de Paula Fürst starb bereits 1782. Die Witwe Elisabeth Fürst heiratete noch im gleichen Jahr den aus einer Kalwanger Hammergewerkenfamilie stammenden Vinzenz Pengg, der zunächst als Verweser für seinen Stiefsohn Vinzenz Fürst das Werk führte. Vinzenz Fürst heiratete die Tochter des angesehenen Vordernberger Radmeisters Johann Nepomuk Prandstetter. 1805 verkaufte Vinzenz Fürst seinen Thörler Hammer an seinen Stiefvater Vinzenz Pengg. Mit der Übernahme des Oberen Hammers wurde der Grundstein für die Tätigkeit einer Gewerkenfamilie in Thörl gelegt, die mit der Vereinigung der beiden Thörler Werke die Eisenindustrie am Thörlbach bis heute nachhaltig geprägt hat.
Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm Franz Xaver Pengg 1811 die Führung des Werkes am Thörl in wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten. 1817 vermählte er sich mit Franziska von Reichenberg, die ihm offenbar eine stattliche Mitgift zubrachte. Mangels eines geeigneten Erbens veräußerten Franz Xaver und Franziska Pengg 1841 den Thörler Werksbesitz an Franz Xavers Bruder Ägyd Pengg und dessen Frau Konstanzia, die den Tatschenhammer in der Au betrieben. Zum Thörler Betrieb gehörten damals der Obere Hammer, ein Drahtzug und eine Mühle. 
Johann I. Pengg übernahm 1858 im Alter von 32 Jahren den Thörler Besitz. Er hatte eine solide Fachausbildung erhalten und war mit Margarethe Geinsperger verheiratet. Als begabter Industrieller und Kaufmann schuf er aus dem damals rückständigen Oberen Hammer einen auf der Höhe der Zeit stehenden Großbetrieb. Zu diesem gehörten ein Streckwalzwerk beim Oberen Hammer, eine Drahtfabrik, hervorgegangen aus der zum Grobdrahtzug umgebauten alten Mühle am St. Ilgner Bach, und das 1870 errichtete Drahtwalzwerk Margarethenhütte. Für seine Verdienste um die Eisenindustrie und das öffentliche Leben wurde er 1877 als Edler von Auheim in den Adelsstand erhoben. Johann von Pengg starb 1890 im Alter von 67 Jahren. 
Sein Sohn Johann II. von Pengg mußte erst 28 Jahre alt den väterlichen Industriebetrieb übernehmen. Mit dem Erwerb des Fürstschen Industriebesitzes im Jahr 1900 konnte ein für seine Zeit sehr leistungsfähiger Großbetrieb mit über 500 Beschäftigten geschaffen werden.


Der Untere Hammer
Der Untere Hammer gehörte um 1577 Wolf Friedrich Friedhofer. Erst mit dem Vordernberger Radmeister Hans von Leitzendorff, der aus einer bedeutende Familie des steirischen Eisenadels stammte, kam 1613 ein erfolgreicher Gewerke in den Besitz dieses Werkes. Ab 1624 betrieb er auch den Hammer im Büchsengut bei Thörl. Nach seinem Tod 1641 ging der Besitz auf seinen Bruder Martin von Leutzendorff, dem auch ein Rauheisenverlag in Leoben und der Wappensteinhammer in Palbersdorf gehörten. Er starb 1668 in Leoben. 
Die Führung des Werkes ging auf Johann Sigmund von Welß über, der mit Eva Susanna, der ältesten Tochter des Martin von Leutzendorff verheiratet war. Er leitete von 1672 bis zu seinem Tod 1704 das Werk nicht als Eigentümer, sondern als Verwalter für seinen gleichnamigen Sohn. Er gehörte als Ratsbürger dem Inneren Rat der Stadt Bruck an der Mur an, war kaiserlicher Kammergutbeförderer und Eisenobmann im Brucker Viertel und besaß auch in der Stanz und in Laming je ein Hammerwerk. Johann Sigmund von Welß der Jüngere war Hofkammerrat und Hammermeister zu Bruck an der Mur. Er verkaufte Unteren Hammer in Thörl 1709 an Josef Gasteiger. 
Josef Gasteiger von Lorberau war einer jener tüchtigen Männer aus Leoben, die es verstanden, im Eisenwesen Erzeugung und Handel in einer Hand zu vereinigen und daraus großen Gewinn zu ziehen. Durch die Heirat mit Constanze Lauriga von Lorberau es war dies seine dritte Ehe gelang ihm der Eintritt in die vornehmsten Kreise des steirischen Eisenadels. Sein Sohn Franz Gasteiger entwickelte angesichts der schwierigen Versorgungslage mit Holzkohle ein Verfahren, mit dem aus der Steinkohle durch Verkokung ein für die Befeuerung der Eisenwerke brauchbarer Brennstoff gewonnen werden konnte. Er führte die Steinkohlenfeuerung um 1740 im Unteren Hammer in Thörl ein, diese blieb aber für einige Zeit ein technisches Zwischenspiel. Franz Gasteiger starb 1747 im Alter von 42 Jahren. Den Betrieb führte seine Frau Anna Maria, geborene Stadler von Gstirner, durch fast zehn Jahre allein weiter. Sie konnte auch den Schlossbau zu Thörl vollenden. In zweiter Ehe vermählte sie sich 1757 mit Georg Andre Kraßberger. 
Josef Karl Gasteiger von Lorberau übernahm 1767 eine florierende Gewerkschaft, ein stattliches Schloss und ein beträchtliches Vermögen. Er und seine Nachkommen wurden 1774 in den erblichen Ritterstand erhoben und mit dem Prädikat Edle von und zu Lorberau ausgezeichnet. Josef Karl Gasteiger starb 1776. Seinem Sohn Josef Gasteiger von Lorberau fehlte das wirtschaftliche Geschick zur Führung der Gewerkschaft. Bei seinem Tod 1798 war der Abstieg der Gewerkenfamilie bereits vorgezeichnet. Sein Sohn Josef Gasteiger von Lorberau der Jüngere konnte letztendlich weder das Schloss noch den Unteren Hammer am Thörl halten. Er musste 1817 seinen Besitz an Johann Nepomuk Lenz verkaufen, der bis 1835 als Gewerke am Thörl tätig war. 
Die im Besitz nachfolgende Aflenzer Eisengewerkschaft blieb ein wenig erfolgreiches Intermezzo. Mit Daniel Fischer trat 1839 ein innovativer Unternehmer die Führung des Unteren Hammers an. Die althergebrachten Zerrenn- und Streckhämmer konnten die steigenden Anforderungen nicht mehr erfüllen, das alte Werk musste dringend auf neueren Stand gebracht werden. Daniel Fischer errichtete in Thörl das erste Walzwerk und den unteren Drahtzug. Die umfangreichen Investitionen überstiegen allerdings seine finanziellen Möglichkeiten, der Konkurs war schließlich unabwendbar. 
Ignaz Fürst erwarb kurz nach 1870 den Unteren Hammer, baute ihn zu einer Drahtfabrik aus, ersetzte das Wasserrad durch eine Turbine und erreichte eine enorme Steigerung der Produktivität. Zu seinem Werksbesitz gehörten auch das Büchsengut und der Grobdrahtzug in der Zwain bei Thörl. Der umsichtige Gewerke erließ eine fortschrittliche Betriebsordnung und sorgte durch die Gründung einer Bruderlade für die soziale Absicherung seiner Beschäftigten. Er wirkte einige Jahre als Bürgermeister der damals sehr großen Gemeinde Aflenz und auch als Landtagsabgeordneter. Er starb 1888 in Graz. Nach seinem Tod führte der Verwalter Franz Pichler für die Fürstschen Erben den Betrieb, der schließlich 1900 an Johann II. Pengg verkauft wurde. 
Mit dem Verkauf wechselten auch alle Werkszeichen, Schutzmarken und das Recht zur Führung der Bezeichnung K. k. priv. Drahtfabrik den Besitzer. Der Firmenname des neuen Betriebskomplexes lautete fortan Joh. Pengg Draht- und Walzwerke Johann II. von Pengg starb 1926 in Aflenz Kurort. Im Werksbesitz folgte ihm sein einziger Sohn, Hans (Johann III.) von Pengg, nach. Er führt das Werk durch die wirtschaftliche schwierigen 30er Jahre, die Kriegszeit und in der Wiederaufbauphase nach 1945. Der 1934 gegründete Werksverein“ war eine Pionierleistung der Sozialpartnerschaft gegründet als Antwort auf die tragischen Ereignisse, die Thörl im Februar 1934 erschüttert haben. In den verschiedenen Werksteilen wurden ständig Produktionsverbesserungen vorgenommen, neue Produkte eingeführt, Werke ausgebaut und unrentabel gewordene Produktionszweige aufgegeben. Johann III. von Pengg starb 1971. 
Dipl.-Ing. Gottfried Pengg-Auheim arbeitete nach solider Ausbildung seit 1955 im väterlichen Betrieb und war seit 1961 einer der Gesellschafter der Firma. In seine Zeit als Firmenchef fielen tiefgreifende Veränderungen der Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Umwälzungen und viele Veränderungen in der Produktpalette der einzelnen Betriebe. 1990 wurde das gesamte Unternehmen neu strukturiert. In den folgenden Jahren wurden große Investitionen durchgeführt und einzelne Produktionssparten in selbständige Firmen innerhalb der als Holding fungierenden alten Mutterfirma eingebracht. 

Der Jagdturm

Der Vorläufer dieses Turms bildete seit dem Spätmittelalter den östlichen Teil der wehrhaft ausgeführten Straßensperre am Thörl. Von hier aus erstreckte sich ursprünglich eine Wehrmauer zum Turm beim gegenüberliegenden Felsvorsprung. Sie wurde im Zuge der Umbauten und Vergrößerungen des Schlosses in den Bau teilweise einbezogen.

Als 1871/72 die bis dahin durch das Schloss und den Nordturm führende Mariazellerstraße nach Osten verlegt wurde, konnte der erforderliche Platz nur durch Eingriffe in die alte Bausubstanz am östlichen Turm des Schlosses Thörl geschaffen werden. Dem Zeitgeist entsprechend wurde der Umbau historisierend ausgeführt, das Aussehen des Turmes gegenüber seiner früheren Gestalt grundlegend verändert.
Die nordwestliche Mauer und das Untergeschoss des von Ignaz und Maria Fürst in neugotischem Stil umgestalteten Turms stammen aus der Erbauungszeit im Spätmittelalter. Die heutige Nordmauer des Turmes dürfte ursprünglich die Südmauer des Vorgängerbaues gewesen sein. Bei der Restaurierung wurden 1990 im Boden nördlich des Jägerturms Gesimse und Türeinfassungen ungefähr an der Stelle gefunden, an der sie heute frei zu sehen sind

Schloss Thörl

Die Geschichte des Schlosses ist mit der des Ortes Thörl sehr eng verbunden. Es hat sich aus einer wehrhaften Straßensperre in mehreren Bauphasen zum prächtigsten obersteirischen Gewerkensitz entwickelt. Die 1345 erstmals genannte älteste Wehranlage in Thörl diente als Sperre der Straße, die den Einödgraben mit dem Aflenztal verband. Eine hohe Mauer erstreckte sich vom Ufer des Thörlbaches im Osten bis zu einem Felsvorsprung im Westen, an beiden Enden durch starke Wehrtürme gesichert.

Die Errichtung der Feste am Thörl ist in einen größeren Zusammenhang einzuordnen, der mit den unsicheren Verhältnissen (Angst vor Türkeneinfällen, Angst vor den Ungarn und innere Unruhen wie z. B. die Baumkircherfehde) der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Verbindung steht. Zunächst wurde 1451 bei der Pfarrkirche Aflenz ein wehrhafter Kirchturm errichtet, dann folgte der Ausbau des heutigen Schlosses Thörl und zuletzt 1471 die Burg Schachenstein.

Der erste Ausbau zum Gewerkensitz und Schloss erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Vermutlich von Peter Pögel begonnen scheint diese Bauphase unter Sebold I. Pögel abgeschlossen worden zu sein. Die in einem Freskenrest des Torturms erhaltene Jahreszahl 1510 weist auf ihn hin. Der erste Bau war ein bergseitig gelegenes festes Haus mit einem hakenförmig östlich daran anschließenden Flügel. Die zum Schloss gehörende Barbarakapelle wurde spätestens 1469 fertiggestellt. 
Um 1630 ließ Jörg von Klingendraht an den Nordost-Trakt den älteren Teil des heute als Osttrakt bezeichneten Flügels an den alten Pögel-Bau anfügen. Franz Gasteiger, seit ungefähr 1740 Gewerke am Thörl, nahm die Erweiterung und Ausgestaltung des Schlosses in Angriff, starb aber schon 1747. Vermutlich hat seine tüchtige Witwe Anna Maria Gasteiger den Schlossumbau vollendet. In dieser Zeit entstanden der Anbau an den Osttrakt und die Verbindung der neuerbauten Barbarakapelle mit dem Schloss. Josef Karl Gasteiger ließ 1767 von Josef A. von Mölck die Südfront des Schlosses mit Fresken schmücken. 
Die letzte tiefgreifende bauliche Umgestaltung des Schlosses Thörl erfolgte in den Jahren 1871 und 1872 durch die Gewerken Ignaz und Maria Fürst, die das Schloss und den sogenannten Unteren Hammer 1855 erworben hatten. Vordringlich musste die bis dahin durch das Schloss führende Mariazellerstraße verlegt werden. Dies war nur durch das Abbrechen einiger Nebengebäude und tiefgreifende Veränderungen am heute als Jägerturm bezeichneten alten Turm möglich. 
Zu Beginn des 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war Schloss Thörl dringend sanierungsbedürftig. Dr. Karl Hempel, ein Ur-Urenkel von Ignaz Fürst, sorgte mit sachkundiger Unterstützung des Bundesdenkmalamtes für die umfassende Restaurierung des Schlosses und die Neuanlage des Schlossparks. Die gesamte für Wohn- und Repräsentationszwecke genutzte Anlage gibt dem historischen Ortskern von Thörl einen Hauch nostalgischer Erinnerung an die glanzvolle Zeit der großen Gewerken am Thörl.

 
 
 
 
 
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