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Schloss Thörl

Die Geschichte des Schlosses ist mit der des Ortes Thörl sehr eng verbunden. Es hat sich aus einer wehrhaften Straßensperre in mehreren Bauphasen zum prächtigsten obersteirischen Gewerkensitz entwickelt. Die 1345 erstmals genannte älteste Wehranlage in Thörl diente als Sperre der Straße, die den Einödgraben mit dem Aflenztal verband. Eine hohe Mauer erstreckte sich vom Ufer des Thörlbaches im Osten bis zu einem Felsvorsprung im Westen, an beiden Enden durch starke Wehrtürme gesichert.

Die Errichtung der Feste am Thörl ist in einen größeren Zusammenhang einzuordnen, der mit den unsicheren Verhältnissen (Angst vor Türkeneinfällen, Angst vor den Ungarn und innere Unruhen wie z. B. die Baumkircherfehde) der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Verbindung steht. Zunächst wurde 1451 bei der Pfarrkirche Aflenz ein wehrhafter Kirchturm errichtet, dann folgte der Ausbau des heutigen Schlosses Thörl und zuletzt 1471 die Burg Schachenstein.


Der erste Ausbau zum Gewerkensitz und Schloss erfolgte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Vermutlich von Peter Pögel begonnen scheint diese Bauphase unter Sebold I. Pögel abgeschlossen worden zu sein. Die in einem Freskenrest des Torturms erhaltene Jahreszahl 1510 weist auf ihn hin. Der erste Bau war ein bergseitig gelegenes festes Haus mit einem hakenförmig östlich daran anschließenden Flügel. Die zum Schloss gehörende Barbarakapelle wurde spätestens 1469 fertiggestellt.
Um 1630 ließ Jörg von Klingendraht an den Nordost-Trakt den älteren Teil des heute als Osttrakt bezeichneten Flügels an den alten Pögel-Bau anfügen. Franz Gasteiger, seit ungefähr 1740 Gewerke am Thörl, nahm die Erweiterung und Ausgestaltung des Schlosses in Angriff, starb aber schon 1747. Vermutlich hat seine tüchtige Witwe Anna Maria Gasteiger den Schlossumbau vollendet. In dieser Zeit entstanden der Anbau an den Osttrakt und die Verbindung der neuerbauten Barbarakapelle mit dem Schloss. Josef Karl Gasteiger ließ 1767 von Josef A. von Mölck die Südfront des Schlosses mit Fresken schmücken.
Die letzte tiefgreifende bauliche Umgestaltung des Schlosses Thörl erfolgte in den Jahren 1871 und 1872 durch die Gewerken Ignaz und Maria Fürst, die das Schloss und den sogenannten Unteren Hammer 1855 erworben hatten. Vordringlich musste die bis dahin durch das Schloss führende Mariazellerstraße verlegt werden. Dies war nur durch das Abbrechen einiger Nebengebäude und tiefgreifende Veränderungen am heute als Jägerturm bezeichneten alten Turm möglich.
Zu Beginn des 80er Jahre des 20. Jahrhunderts war Schloss Thörl dringend sanierungsbedürftig. Dr. Karl Hempel, ein Ur-Urenkel von Ignaz Fürst, sorgte mit sachkundiger Unterstützung des Bundesdenkmalamtes für die umfassende Restaurierung des Schlosses und die Neuanlage des Schlossparks. Die gesamte für Wohn- und Repräsentationszwecke genutzte Anlage gibt dem historischen Ortskern von Thörl einen Hauch nostalgischer Erinnerung an die glanzvolle Zeit der großen Gewerken am Thörl.